{"id":1186,"date":"2020-06-15T10:56:59","date_gmt":"2020-06-15T09:56:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=1186"},"modified":"2020-06-15T10:56:59","modified_gmt":"2020-06-15T09:56:59","slug":"can-you-hear-me","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=1186","title":{"rendered":"Can you hear me?"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Maria Wolf<\/em><\/p>\n<p>\u201eDarf ich noch kurz \u2026 \u2013 hallo?\u201c Zu sp\u00e4t! Die anderen Teilnehmer haben sich bereits ausgeklinkt. Das Handzeichen wurde \u00fcbersehen, und die Aktivierung des Mikrofons dauerte zu lange, um sich akustisch noch einmal bemerkbar zu machen. Nach eineinhalb Stunden \u201eH\u00f6rt Ihr mich? \u2013 Ja? Nein? Jetzt? Ok, also ich sagte gerade \u2026\u201c und vielen Malen, wo etwas wiederholt werden musste, weil \u2013 ach, tausend Gr\u00fcnde \u2013, ist man einfach nur noch genervt. Die Konzentrationsfalte auf meiner Stirn kann sich inzwischen mit dem Marianengraben messen. Im tiefsten Tal der Frustration wird man dann auch noch gebeten, die Gespr\u00e4chsqualit\u00e4t zu bewerten. Zur Benotung werden nur Sterne angeboten \u2013 kein schwarzes Loch.<\/p>\n<p>Schon in einsprachigen Videokonferenzen ist es oft schwer, eine fruchtbare Diskussion zu f\u00fchren. Bilder frieren ein, S\u00e4tze scheppern oder glucksen wie sinkende U-Boote, Informationen werden zerhackt, Wortmeldungen gehen unter.<\/p>\n<p>Potenziert werden diese Stolpersteine, wenn mehrere Sprachen im Spiel sind. Dann kommen zu den technisch bedingten Latenzen eventuell auch noch Verz\u00f6gerungen durch verwirrende Schaltvorg\u00e4nge zwischen O-Ton, dem richtigen Sprachkanal und Mikro. Zwar hat sich die Technik in den letzten Jahren \u2013 und speziell in den letzten Wochen \u2013 enorm verbessert, auch Moderatoren, Teilnehmer und Dolmetscher haben dazugelernt, dennoch ist die Kommunikation in virtuellen Zusammenk\u00fcnften oft noch holprig und ungleich anstrengender als in Pr\u00e4senzveranstaltungen.<\/p>\n<p>Was aber macht die virtuellen Meetings so anstrengend? In einem Pr\u00e4senzmeeting wird unsere F\u00e4higkeit, Gespr\u00e4che zu f\u00fchren, durch ein Netz vieler Signalquellen unterst\u00fctzt. K\u00f6rpersprache, Gesten, Mimik, Stimmung im Raum helfen uns, Informationen intuitiv aufzunehmen und zu verarbeiten, aber auch Situationen zu analysieren und zu bewerten. Viele dieser Prozesse sind Verarbeitungsroutinen, die in den energiesparsamen Gehirnbereichen ablaufen.<\/p>\n<p>Virtuelle Meetings wirken dagegen geradezu eindimensional und berauben uns eines Gro\u00dfteils der nonverbalen Kommunikation, die zum Verst\u00e4ndnis des Gesprochenen beitr\u00e4gt. Obwohl und gerade weil viele dieser Signale wegfallen, erfordern Videokonferenzen eine erh\u00f6hte Konzentration und Leistung von energiezehrenden Gehirnbereichen, um Informationen zu verarbeiten und angemessen zu reagieren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1189\" src=\"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Marrakesch_im-Blog.jpg\" alt=\"\" width=\"392\" height=\"522\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr Dolmetscher ist die Remote-Technik besonders fordernd. Zwar wurden wir zu unserem Leidwesen schon in der Vergangenheit \u00f6fter mal mit oder auch ohne Kabine in Nebenr\u00e4ume mit Bildschirm\u00fcbertragung des Konferenzgeschehens ausgelagert, aber zumindest hatten wir \u00fcber die Kabelverbindung und unsere gewohnten Schaltpulte einen sauberen, lautst\u00e4rkeregelbaren Empfang, kaum Latenz und konnten uns mit unserem Teampartner leicht verst\u00e4ndigen und gegenseitig unterst\u00fctzen. Aber schon diese Konstellation \u2013 meist eine platzbedingte Notl\u00f6sung \u2013 war f\u00fcr Dolmetscher anstrengender, da die Kameraeinstellung meist nur eine Fernsicht auf den Redner bot, sodass man Mimik und Lippenbewegung nicht oder bestenfalls noch mit Verz\u00f6gerung verfolgen konnte und ein Gro\u00dfteil der nonverbalen Kommunikationshilfen wegfiel.<\/p>\n<p>COVID-19 stellt die Welt auf den Kopf und verbannt alle Beteiligten in den Remote-Modus \u2013 jedenfalls vorerst einmal. Um allen Teilnehmern internationaler, mehrsprachiger Meetings dennoch eine gleichwertige Beteiligung an den Diskussionen zu erm\u00f6glichen, bedarf es einer angemessenen technischen Ausstattung, versierter Techniker, erfahrener Moderatoren \u2013 und nicht zuletzt nat\u00fcrlich professioneller Dolmetscher.<\/p>\n<p>In der Not werden nun h\u00e4ufig L\u00f6sungen improvisiert, mehrere Telefonleitungen parallel zur Videokonferenz aufgebaut, um f\u00fcr die Verdolmetschung separate Kan\u00e4le bereitzustellen. Aber diese mehr schlecht als recht funktionierenden Bastell\u00f6sungen diskriminieren h\u00e4ufig die zugeschalteten Teilnehmer, die auf eine Verdolmetschung angewiesen sind: Schwankende Verbindungsqualit\u00e4t, technische Latenzen und komplexe Umschaltvorg\u00e4nge, um nicht aus Versehen die falsche Leitung stumm zu schalten oder zu aktivieren, wirken oft einsch\u00fcchternd, verhindern spontane Einw\u00fcrfe und f\u00fchren dazu, dass Teilnehmer ihre wertvollen Gedanken entweder aus Angst, Umst\u00e4nde zu machen oder zu nerven, f\u00fcr sich behalten oder durch technische Hindernisse nicht an den Mann bringen.<\/p>\n<p>Klar im Vorteil ist, wer bei der Ausstattung nicht kleckert, sondern klotzt: Stabile Leitungen, intuitiv bedienbare Schaltpulte, leistungsf\u00e4hige Kopfh\u00f6rer und Mikros f\u00fcr einwandfreien In- und Output, eine st\u00f6rungsfreie Umgebung, die passenden Plattformtools f\u00fcr den speziellen Anwendungsfall und eine umfassende Einweisung aller Beteiligten in die Nutzung des Settings sowie im Idealfall sorgf\u00e4ltige Testl\u00e4ufe im Vorfeld sind Voraussetzung f\u00fcr eine effiziente virtuelle Diskussionskultur.<\/p>\n<p><strong>Ferndolmetschen: Mit Abstand verbinden<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn Ferndolmetschen schon seit den 90er-Jahren in bestimmten Bereichen wie Justiz und Medizin im zeitversetzten (konsekutiven) Modus genutzt wird, hat das Coronavirus den Bedarf und die Entwicklung entsprechender L\u00f6sungen f\u00fcr das Simultandolmetschen noch einmal sprunghaft beschleunigt. Zwar haben Dolmetscherverb\u00e4nde wie <a href=\"https:\/\/aiic.net\/\">AIIC<\/a>, <a href=\"https:\/\/vkd.bdue.de\/\">VKD<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.fit-ift.org\/about\/\">FIT<\/a> und Konferenztechnikanbieter in den letzten Jahren Normen und technische M\u00f6glichkeiten entwickelt, um Veranstaltungen aus der Ferne simultan zu verdolmetschen. Allerdings ging man dabei von der Verbindung zwischen lediglich zwei Orten aus: dem Veranstaltungsort mit allen Teilnehmern einerseits und einem Dolmetscher-Hub andererseits.<\/p>\n<p>Die versch\u00e4rften Abstandsregelungen der Corona-Pandemie stellen den Markt nun vor neue Herausforderungen. Sowohl Anbieter als auch Nutzer softwarebasierter Dolmetschplattformen durchlaufen einen steilen Lernprozess bei der Anpassung ihrer Tools an die neuen mehrsprachigen Veranstaltungsformate, die sich daraus ergeben. Die besseren L\u00f6sungen m\u00f6gen aufw\u00e4ndig erscheinen und sind in der Regel nicht billiger als klassische Konfigurationen. Aber was Sprache verbindet, sollte Technik nicht trennen. Improvisierte Remote-Settings mit wackeligen Verbindungen unterwandern nicht nur die Qualit\u00e4t der Dolmetschleistung und der Kommunikation, sondern h\u00e4ngen schnell mal einen Teilnehmer ab \u2013 vom Datenschutz wollen wir gar nicht erst reden.<\/p>\n<p>Klein Wolf Peters ber\u00e4t gerne und unterst\u00fctzt international besetzte Veranstaltungen und Meetings mit Know-how und erfahrenen, kompetenten Dolmetschern, die auch dann noch ganz nah an den Lippen der Redner dranbleiben, wenn Hunderte von Kilometern zwischen ihnen liegen, damit es am Ende nicht nur hei\u00dft: \u201eDid you hear me?\u201c, sondern auch: \u201eJa, und ich habe Sie auch verstanden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur die Begr\u00fc\u00dfungsformel internationaler Meetings hat sich unter dem Druck der sozialen Distanzierung gewandelt. Eine v\u00f6llig neue Meetingkultur ist im Entstehen. Die Lernkurve der Fernverdolmetschung verl\u00e4uft holprig, aber steil.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":1187,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[463,465,462,112,457,467,464,461,458,459,468,460,466],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1186"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1186"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1193,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1186\/revisions\/1193"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1187"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}