{"id":1280,"date":"2020-12-07T11:17:53","date_gmt":"2020-12-07T10:17:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=1280"},"modified":"2020-12-07T11:17:53","modified_gmt":"2020-12-07T10:17:53","slug":"gift-oder-gold-zwischen-den-zeilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=1280","title":{"rendered":"Gift oder Gold zwischen den Zeilen"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Kristin Fehlauer<\/em><\/p>\n<p><em>Aus dem Englischen von Maria Wolf<\/em><\/p>\n<p>Wer in einer Redaktion entscheidet, was auf die R\u00fcckseite eines Buchdeckels gedruckt wird \u2013 ob kurz beschrieben wird, worum es geht, oder nur lobende Rezensionen zitiert werden sollen? Obwohl \u2013 ich will lieber nicht wissen, wer mich meiner geliebten Zusammenfassungen beraubt.<\/p>\n<p>Die lese ich n\u00e4mlich leidenschaftlich gerne. Ich liebe diese kurzen Zeilen, die den Inhalt in wenigen Worten abstrakt skizzieren: \u201eDie Geschichte von drei Menschen, die &#8230;\u201c oder \u201eEin Roman voller Intrigen &#8230;\u201c \u2013 und mit ein paar verschwommenen Pinselstrichen eine Handlung voll prickelnder Spannung andeuten. Oft, so muss ich zugeben, gen\u00fcgt mir das, ich muss gar nicht unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht. Folglich muss ich das Buch auch nicht kaufen. Damit habe ich mir wohl aber auch selbst meine Frage beantwortet, warum auf Inhaltsangaben verzichtet wird.<\/p>\n<p>Mich faszinieren jedoch nicht nur die knappen Klappentexte. Eines der Highlights in der langlebigen britischen Kultfernsehserie <a href=\"https:\/\/www.bbc.co.uk\/programmes\/b006q2x0\"><em>Doctor Who<\/em><\/a> sind die kurzen Einblendungen nur angedeuteter Ereignisse wie Clara und die Fischmenschen in \u201eDer Hausmeister\u201c oder Amy und Rorys Feier ihres Hochzeitstags in \u201eZusammengew\u00fcrfelt\u201c.<\/p>\n<p>Noch besser sind vielsagende Titel wie in <a href=\"https:\/\/edwardgoreyhouse.org\/\">Edward Goreys<\/a> Erz\u00e4hlung \u201eEine Harfe ohne Saiten\u201c, in der der Schriftsteller Ronald Frederic Melf den Titel seines n\u00e4chsten Buchs jeweils aus einer Liste potenzieller Romantitel w\u00e4hlt, die er in seinem Notizbuch sammelt. Die Idee hat mich gereizt und bewogen, selbst eine solche Liste zu f\u00fchren. Meine Titelsammlung ist nicht unbedingt nur auf Romane, sondern auch auf andere k\u00fcnstlerische Werke anwendbar. Einer meiner neueren Eintr\u00e4ge lautet \u201eVernunft hei\u00df aufgegossen\u201c \u2013 ein Titel, der mein Interesse wecken w\u00fcrde, egal ob das Werk zum Lesen, Anschauen, Betrachten oder Anh\u00f6ren gedacht w\u00e4re.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1284\" src=\"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Hardback.jpg\" alt=\"\" width=\"612\" height=\"408\" \/><\/p>\n<p>Leider kann sich die internationale Unternehmenskommunikation den Luxus solch poetisch verdichteter Eleganz oft nicht erlauben. Im Gespr\u00e4ch mit Kunden und potenziellen Gesch\u00e4ftspartnern k\u00f6nnen unklare Formulierungen katastrophale Folgen haben \u2013 selbst unter Mitarbeitern ein und desselben Unternehmens, insbesondere gro\u00dfer internationaler Unternehmen, deren Belegschaft \u00fcber die ganze Welt verstreut ist und sich selten, wenn \u00fcberhaupt, pers\u00f6nlich begegnet. Unternehmen sollten lieber klare, eindeutige und verst\u00e4ndliche Botschaften an ihre jeweilige Zielgruppe richten \u2013 ob Mitarbeiter, Aktion\u00e4re oder \u00d6ffentlichkeit. Dieser Gedanke steht bei Klein Wolf Peters stets im Vordergrund, wenn wir f\u00fcr unsere eigenen Kunden schreiben oder \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Das Problem kennen jedoch nicht nur weltweit t\u00e4tige Unternehmen. Selbst bei uns in M\u00fcnchen m\u00fcssen mein Kollege Richard und ich st\u00e4ndig pr\u00fcfen, ob das, was wir dem anderen gesagt oder geschrieben haben, richtig angekommen ist. Immer wieder stolpern wir \u00fcber typisch britisch-amerikanische Missverst\u00e4ndnisse, obwohl wir ungef\u00e4hr gleich alt sind, einem \u00e4hnlichen Kulturkreis entstammen und bereits seit sechs Jahren zusammenarbeiten, also schon einen reichen Schatz an gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen gesammelt haben, auf die wir Bezug nehmen k\u00f6nnen. Aber gerade wegen dieser Vertrautheit w\u00e4hnen wir uns in Sicherheit, glauben, genau zu wissen, wovon der andere spricht und was er meint, sodass es uns schon gar nicht in den Sinn kommt, nachzuhaken. Da wir uns so gut zu verstehen glauben, gehen wir oft mit zwei v\u00f6llig unterschiedlichen Wahrnehmungen ein und desselben Gespr\u00e4chs auseinander.<\/p>\n<p>Umgekehrt hilft es nat\u00fcrlich genauso wenig, seine Zuh\u00f6rer oder Leser mit zu h\u00e4ufigem Nachfragen und zu langatmigen Erl\u00e4uterungen einzuschl\u00e4fern. Irgendwo dazwischen gibt es sicherlich einen goldenen Mittelweg. Was mich betrifft, so muss ich meine Antennen sch\u00e4rfen, um rechtzeitig zu sp\u00fcren, wann etwas f\u00fcr andere nicht so sonnenklar ist wie f\u00fcr mich. In gewisser Weise bin ich daf\u00fcr ja sogar geschult: Als \u00dcbersetzer und Lektor drehe ich eh schon jedes Wort und jeden Satz zigmal um, damit mir auch ja keine Auslegungsm\u00f6glichkeit entgeht. Die Kunst liegt darin, dies auch dann zu tun, wenn ich mir eigentlich sicher bin, dass alles klar ist. Hinterfragen und Nachhaken sollten wie H\u00e4ndewaschen und Z\u00e4hneputzen zur Gewohnheit werden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Spruch \u201eWeniger ist oft mehr\u201c hat durchaus seine Berechtigung und verleiht Andeutungen und Anspielungen oftmals ihren besonderen Reiz. So verf\u00fchrerisch das Unausgesprochene zwischen den Zeilen aber sein mag, in der Unternehmenskommunikation ist es meist Gift.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":1282,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[516,517,63,515],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1280"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1280"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1280\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1286,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1280\/revisions\/1286"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}