{"id":1455,"date":"2021-09-30T11:58:20","date_gmt":"2021-09-30T10:58:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=1455"},"modified":"2021-10-04T11:58:48","modified_gmt":"2021-10-04T10:58:48","slug":"wir-feiern-den-internationalen-uebersetzertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=1455","title":{"rendered":"Wir feiern den Internationalen \u00dcbersetzertag!"},"content":{"rendered":"<p>Zum Gedenktag des Heiligen Hieronymus, Schutzpatron der \u00dcbersetzer, wird weltweit am 30. September der Internationale \u00dcbersetzertag #ITD2021 begangen. Aus diesem Anlass haben wir uns bei Klein Wolf Peters gefragt: Was hat uns \u00fcberhaupt erst zum \u00dcbersetzerberuf bewogen \u2013 und wie stellen wir uns seine Zukunft vor?<\/p>\n<p><em>Colin Rae: <\/em>Man k\u00f6nnte meinen, ich sei \u00dcbersetzer geworden, weil ich Sprachen liebe. Das stimmt zwar auch, aber der eigentliche Grund ist: Ich knacke gerne R\u00e4tsel. Denn beim \u00dcbersetzen ist es, als bewundere ich ein Bild erst in seiner G\u00e4nze \u2013 bevor ich es in seine Einzelteile zerlege, um es anschlie\u00dfend wieder so zusammenzuf\u00fcgen, dass Menschen mit anderer Perspektive das gleiche Bild sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Zukunft wird die maschinelle \u00dcbersetzung sicherlich eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Aber meines Erachtens ist sie immer noch mehr wie der Lehrling, der in einer stillen Ecke des Ateliers an seinen rudiment\u00e4ren Aufgaben werkelt, w\u00e4hrend die echten Meisterwerke weiterhin vom wahren K\u00fcnstler erschaffen werden.<\/p>\n<p><em>Julia Harwardt: <\/em>Urspr\u00fcnglich wollte ich meine Sprachbegabung in einem Studium der Politikwissenschaft und Ostslawistik nutzbringend einsetzen, aber das war mir dann doch etwas zu trocken und theoretisch. Nachdem ich bei einer Exkursion in die Ostukraine mit gro\u00dfer Begeisterung den uns begleitenden Dolmetscher beobachten und nach seinem Beruf ausfragen konnte, wechselte ich schnell zur\u00fcck zu meinen \u201eLeisten\u201c \u2013 und hier bin ich nun, zusammen mit all den anderen gro\u00dfartigen Sprachnerds von Klein Wolf Peters.<\/p>\n<p>Nach einigen anf\u00e4nglichen Zukunfts\u00e4ngsten hat sich unsere Branche mittlerweile gut positioniert, um die Ver\u00e4nderungen durch Automatisierung, K\u00fcnstliche Intelligenz und technische Fortschritte, die unseren altehrw\u00fcrdigen Beruf aktuell und k\u00fcnftig mitunter geh\u00f6rig auf den Kopf stellen, professionell zu begleiten. Ein wenig Ver\u00e4nderung hat schlie\u00dflich noch nie geschadet und bringt ja immer auch spannende neue Einblicke und Kompetenzen mit sich, sowohl auf fachlicher als auch pers\u00f6nlicher Ebene.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1458\" src=\"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Translatorday.jpg\" alt=\"\" width=\"608\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/blogstage.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Translatorday.jpg 1773w, https:\/\/blogstage.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Translatorday-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 608px) 100vw, 608px\" \/><\/p>\n<p><em>Kristin Fehlauer:\u00a0<\/em>Da ich w\u00e4hrend meines Studiums in den USA nie ins Ausland gereist bin, beschloss ich etwa zwei Jahre nach meinem Abschluss, dass nun die Zeit f\u00fcr diese Erfahrung gekommen war. Ich ergatterte eine Stelle als Assistentin f\u00fcr den Englischunterricht an einer Grundschule in Rostock und genoss meine Zeit dort sehr. Und obwohl ich mich sehr darauf freute, nach Ende des Schuljahres meine Familie wiederzusehen, w\u00fcnschte ich mir nichts mehr, als eines Tages wieder nach Deutschland zur\u00fcckzukehren. W\u00e4hrend ich also meine (recht \u00fcberschaubaren) Optionen abw\u00e4gte, fragte mich eine Kollegin: \u201eWas ist denn mit \u00dcbersetzungen? Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass dir das richtig Spa\u00df macht.\u201c Klang gut! Einige Bewerbungen, eine einj\u00e4hrige Auszeit und ein zweij\u00e4hriges Master-Studium sp\u00e4ter war ich zur\u00fcck in Deutschland.<\/p>\n<p>Das ist 14 Jahre her. Damals wurden meine ersten \u00dcbersetzungen noch ausgedruckt und per Hand korrigiert. Schlie\u00dflich hielten CAT-Tools, die riesige Mengen bereits \u00fcbersetzter Texte speichern konnten, in den Arbeitsprozess der \u00dcbersetzer Einzug \u00ad\u2013 und ich erinnere mich noch gut daran, dass mir die Umgew\u00f6hnung nicht eben leichtfiel. Mit dem Aufstieg von KI \u00e4ndert sich mein Beruf nun ein weiteres Mal. Ich denke, dass wir k\u00fcnftig vermehrt selber Texte schreiben und in beratender Funktion erkl\u00e4ren, wie eine KI-generierte \u00dcbersetzung bei der Leserschaft voraussichtlich ankommen wird und warum wir manche \u00c4nderungen vornehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Solveig Rose-Mollard:\u00a0<\/em>Nach der Schule stand ich vor der Wahl: Sprachen oder Technik? Lehramt schied aus und so wollte ich mich schon fast Maschinenbau &amp; Co. zuwenden, als ich auf den Beruf des \u00dcbersetzers und Dolmetschers stie\u00df. Sich t\u00e4glich mit Neuem besch\u00e4ftigen? In die verschiedensten Themen eintauchen? Als Konferenzdolmetscherin den drittstressigsten Beruf der Welt ergreifen und unter gr\u00f6\u00dftem Zeitdruck elegante Formulierungen ins Mikrofon zaubern? Ein Traum.<\/p>\n<p>Wie sehr in beiden Disziplinen sprachliches Feingef\u00fchl und Flexibilit\u00e4t gefordert sind, wurde mir erst auf dem Weg dorthin klar. \u00dcbersetzung ist nicht gleich \u00dcbersetzung: Je nach Anforderungen l\u00e4sst sich ein Text hundertmal anders in dieselbe Sprache \u00fcbertragen \u2013 was meine Begeisterung f\u00fcr meine berufliche Laufbahn nur verst\u00e4rkte. Und da einerseits gerade im technischen Bereich Sprachmittler sehr gefragt sind und andererseits f\u00fcr unsere Arbeit immer mehr Technik zur Verf\u00fcgung steht, die es zu beherrschen und zu nutzen gilt, stelle ich nach einiger Berufserfahrung fest, dass ich mich letztlich gar nicht f\u00fcr ein Entweder-oder, sondern Sowohl-als-auch und vor allem f\u00fcr eine vielversprechende Zukunft entschieden habe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1462\" src=\"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Hieronymustag.jpg\" alt=\"\" width=\"630\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/blogstage.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Hieronymustag.jpg 1773w, https:\/\/blogstage.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Hieronymustag-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/p>\n<p><em>Richard Peters:\u00a0<\/em>Mit Ren\u00e9 Descartes komme ich einer Beschreibung meiner Beziehung zur \u00dcbersetzung wohl am n\u00e4chsten. H\u00e4tte er geschrieben \u201eIch \u00fcbersetze, also bin ich\u201c, h\u00e4tte er den Nagel auf den Kopf getroffen. Die \u00dcbersetzung ist meine Welt, mein Element. Ich atme, spreche und denke sie. Sie ist meine Obsession. Fu\u00dfballer m\u00fcssen kicken, Maler m\u00fcssen malen, S\u00e4nger m\u00fcssen singen \u2013 und ich, ich muss \u00fcbersetzen. Beim \u00dcbersetzen bin ich im Flow: Ich bin eins mit dem Universum, lasse die Wirklichkeit hinter mir; f\u00fcr mich z\u00e4hlt nur der Ausdruck dieses einen Gedankens. Kurz gesagt: Ich find\u2018s ganz gut.<\/p>\n<p>Dennoch brauchte ich \u00fcberraschend lange, um die \u00dcbersetzung zu meinem Beruf zu machen. Ich scheute immer vor diesem Weg zur\u00fcck und brachte meine Sprachkompetenz lieber direkt in der Wirtschaft ein. Als ich aber schlie\u00dflich doch in der Sprachenbranche landete, wusste ich, dass ich meine Bestimmung gefunden hatte. Wohin auch immer es die \u00dcbersetzung in unserer sch\u00f6nen neuen Welt mit k\u00fcnstlicher Intelligenz, Vernetzung und Big Data verschl\u00e4gt \u2013 ich werde ihr folgen. Solange es den Menschen gibt, wird er denken. Und er wird diese Gedanken teilen wollen. Dann werde ich zur Stelle sein, um Br\u00fccken f\u00fcr sie zu schlagen \u2013 was auch immer ihnen im Wege steht.<\/p>\n<p><em>Maria Wolf:\u00a0<\/em>Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Der Appetit kam beim Essen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wollte ich einfach nur mein Franz\u00f6sisch verbessern, m\u00f6glichst mit einem brauchbaren Abschluss. Aber im Zuge der Auseinandersetzung mit Sprache, mit der Menschen ihr Sein, Denken und Wollen zum Ausdruck zu bringen versuchen und doch so viele Missverst\u00e4ndnisse verursachen, wuchs mein Bed\u00fcrfnis, \u00fcber Sprache vermittelnd und verbindend t\u00e4tig zu werden, ob als \u00dcbersetzerin, die in ihrer einsamen Werkstatt Botschaften und Bedeutungen in der Ausgangssprache pedantisch seziert, um sie f\u00fcr einen erbaulichen Lesegenuss in die Zielsprache zu \u00fcbertragen, oder als Dolmetscherin, die Aussagen blitzschnell erfassen, verarbeiten und zuh\u00f6rergerecht aussch\u00fctten muss \u2013 ohne Nachbesserungschance, daf\u00fcr aber meist in geselliger Umgebung. Beides hat seinen Reiz. In der Kombination habe ich meine Berufung gefunden.<\/p>\n<p>Neuronale \u00dcbersetzungsmaschinen werden immer besser. Aber ich habe Hoffnung f\u00fcr unseren Beruf: Solange es schon zwischen Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, st\u00e4ndig Missverst\u00e4ndnisse gibt, so lange wird uns auch die KI als Mittler zwischen Menschen unterschiedlicher Sprachen nicht ausbooten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Gedenktag des Heiligen Hieronymus, Schutzpatron der \u00dcbersetzer, wird weltweit am 30. September der Internationale \u00dcbersetzertag #ITD2021 begangen. 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