{"id":1734,"date":"2023-05-31T08:23:23","date_gmt":"2023-05-31T07:23:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=1734"},"modified":"2023-06-05T10:32:20","modified_gmt":"2023-06-05T09:32:20","slug":"duolingo-sprachenlernen-nach-dem-kekskonzept","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=1734","title":{"rendered":"Duolingo \u2013 Sprachenlernen nach dem Kekskonzept"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Richard Peters<br \/>\nAus dem Englischen von Solveig Rose-Mollard<\/em><\/p>\n<p>Ich muss gestehen: Ich liebe Duolingo (Disclaimer: Dieser Beitrag wird weder von Duolingo gesponsert noch bestehen Beziehungen zu den Entwicklern \u2013 ich bin einfach nur ein Riesenfan). Die Gratis-App (geringe Kosten fallen an, wenn man auf Werbung verzichten m\u00f6chte) hilft allen mit Smartphone \u2013 also den meisten Menschen auf unserem Planeten \u2013 schnell und einfach beim Sprachenlernen. Eine App, die meine Begeisterung f\u00fcr Sprache teilt \u2013 wie h\u00e4tte ich ihr nicht verfallen sollen?!<\/p>\n<p>Besonders gef\u00e4llt mir, wie Duolingo scheinbar mit Unsinn das Lernen erleichtert. Da ich sowohl im Beruf als auch privat nicht immer nur Sinnvolles von mir gebe, verfangen die abenteuerlichen Aussagen in den verschiedenen Sprachen, mit denen ich gerade arbeite, bei mir absolut. F\u00fcr mich ist es durchaus logisch, dass etwa die Streiche eines gr\u00fcnen Elefanten nachdr\u00fccklicher im Ged\u00e4chtnis bleiben als die Reifen eines gr\u00fcnen Autos. Denn der lustige Dickh\u00e4uter wirkt an sich schon als liebenswerter Hingucker.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1726\" src=\"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Pic-1-3.png\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"546\" \/><\/p>\n<p>Duolingo setzt auf spielerische Konzepte, um seine Nutzerinnen und Nutzer bei der Stange zu halten. F\u00fcr jede abgeschlossene Lektion erh\u00e4lt man beispielsweise Edelsteine, mit denen man Spezialfunktionen kaufen kann. Wer brav t\u00e4glich \u00fcbt, wird au\u00dferdem gelobt. Und jede Woche sieht man, wie man gegen\u00fcber 29 weltweit zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten Sprachlernenden abschneidet. Je l\u00e4nger man am Ball bleibt, desto st\u00e4rker bekommt man das Gef\u00fchl, etwas Besonderes zu sein.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber ich bis vor Kurzem kaum nachgedacht habe: wie intensiv Duolingo KI nutzt\u00b9. Kurz nach der Gr\u00fcndung 2012 erkannten die Entwickler, dass sie ihr Produkt mit der innovativen Technologie deutlich verbessern konnten. In ihrem ersten Use Case sah die App voraus, wenn etwas Erlerntes schnell vergessen werden w\u00fcrde, weil es nur eher selten vorkommt. Das Modell w\u00e4hlt daher gezielt die \u00dcbungen aus, die Duolingo dann individuell tagt\u00e4glich auftischt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1722\" src=\"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Pic-4-5.png\" alt=\"\" width=\"565\" height=\"499\" \/><\/p>\n<p>Auch wenn die App all ihren Nutzern dieselben 20\u00a0W\u00f6rter eintrichtert, unterscheidet sich die User Experience von Fall zu Fall, da die Lektionen, die diese 20\u00a0Vokabeln enthalten, immer auf die jeweiligen Fertigkeiten zugeschnitten sind: Um etwa das Wort \u201eBaum\u201c zu lernen, wird dem einen Nutzer wom\u00f6glich \u201eDer Baum ist sehr gro\u00df\u201c angezeigt, wohingegen ein anderer \u201eGestern kletterte ich auf einen Baum\u201c sieht \u2013 je nachdem, ob man nach Ansicht der KI, basierend auf allen fr\u00fcheren Lektionen, eher Adjektive oder Verben \u00fcben sollte.<\/p>\n<p>Ein anderer Anwendungsfall von KI sagt mittels maschinellen Lernens (ML) voraus, ob ein bestimmter Satz f\u00fcr einen bestimmten Nutzer leicht oder schwer verst\u00e4ndlich ist. Die Vorhersage basiert dabei auf der Wahrscheinlichkeit, mit der eine \u00dcbung mit diesem Satz richtig bearbeitet wird. Der Clou dabei: Das ML-Modell verfolgt w\u00e4hrend der Lektion, wie der Nutzer abschneidet, und w\u00e4hlt passend dazu schwerere oder leichtere \u00dcbungen aus. Diese KI-Funktion \u2013 also die Anpassung des Schwierigkeitsgrades \u2013 basiert auf den Daten aller anderen App-Nutzer.<\/p>\n<p>Doch KI kommt auch noch anderweitig zum Einsatz: Statt einfach S\u00e4tze in einer fremden Sprache anzuzeigen, analysiert Duolingo die Fehler des jeweiligen Nutzers, sodass genau diese Schwachstellen in k\u00fcnftigen Lektionen gepaukt werden k\u00f6nnen. War die falsche Antwort auf einen Tippfehler zur\u00fcckzuf\u00fchren? Wurde das Verb falsch konjugiert? Befand sich das Adjektiv an der falschen Stelle? Oder handelt es sich um einen systematischen Fehler? Hierzu ist deutlich mehr Rechenleistung gefordert, als einfach die Eingabe mit der richtigen Antwort zu vergleichen und dann \u201eRichtig\u201c oder \u201eFalsch\u201c auszuspucken.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1724\" src=\"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Pic-6-8.png\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"549\" srcset=\"https:\/\/blogstage.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Pic-6-8.png 1538w, https:\/\/blogstage.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Pic-6-8-1536x1004.png 1536w\" sizes=\"(max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/p>\n<p>Ich nutze Duolingo regelm\u00e4\u00dfig und finde, dass ich in der empfohlenen \u00dcbungszeit von 15 bis 20\u00a0Minuten pro Tag genau so in die jeweilige Sprache eintauche, dass mein Gehirn neue Vokabeln und Grammatik aufsaugen kann \u2013 als tunke man einen Keks in einen exotischen Tee. F\u00fcr meinen Geschmack bliebe der Keks bei t\u00e4glich f\u00fcnf Minuten Training zu trocken, da neue W\u00f6rter und S\u00e4tze einfach von ihm abtropfen und maximal ein paar Flecken mehr auf dem gro\u00dfen Tuch der Vergessenheit hinterlassen w\u00fcrden. Allerdings gebe ich den Entwicklern von Duolingo recht, dass f\u00fcnf Minuten immer noch mehr bringen, als gar nicht zu \u00fcben. Um im Bild zu bleiben: Selbst ein trockener Keks schmeckt besser als eine Handvoll Staub.<\/p>\n<p>Trotz aller Begeisterung sei hier auch auf die Schwachstellen der App hingewiesen. Heruntergeladen habe ich sie vor etwa vier Jahren und tippte daraufhin regelm\u00e4\u00dfig S\u00e4tze in mein Smartphone ein oder brachte W\u00f6rter in die richtige Reihenfolge, um S\u00e4tze zu bilden. Recht schnell stellte ich fest, dass mein Flei\u00df mir nicht nur Edelsteine, sondern auch Schmerzen in Fingern, Daumen und Schultern einbrachte. So habe ich dann den Traum vom flie\u00dfenden Portugiesisch zugunsten meiner Fingerfertigkeit aufgegeben. Vor einiger Zeit riss es mich dann doch wieder, um mit Duolingo noch schnell vor meinem ersten Hellas-Urlaub etwas Griechisch zu lernen (wobei ich dort letztlich nicht <u>ein<\/u> Wort Griechisch gesprochen habe, aber das ist eine andere Geschichte). Seitdem nutze ich die App mehr oder weniger t\u00e4glich, achte aber st\u00e4rker auf meine Finger \u2013 bisher mit Erfolg.<\/p>\n<p>Angesichts der gro\u00dfen Fragen, die KI und ihre Auswirkungen auf unser aller Alltag weltweit f\u00fcr viele aufwerfen, zeigt dieses Beispiel, wie viele Vorz\u00fcge die Technologie doch ebenfalls mit sich bringt. Allein eine bessere Kommunikation zwischen Angeh\u00f6rigen unterschiedlicher Sprachr\u00e4ume ist schlie\u00dflich schon eine Menge wert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>___________________________________________<\/p>\n<p>\u00b9 Wie Duolingo k\u00fcnstliche Intelligenz einsetzt, wird in diesem Artikel sehr gut erkl\u00e4rt:\u00a0<a href=\"https:\/\/venturebeat.com\/ai\/how-duolingo-uses-ai-in-every-part-of-its-app\/\">https:\/\/venturebeat.com\/ai\/how-duolingo-uses-ai-in-every-part-of-its-app\/<\/a><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Duolingo macht Spa\u00df und vermittelt Sprache spielerisch. Gleichzeitig ist die App aber auch ein echter KI-Pionier.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1741,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[691,692,693],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1734"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1734"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1734\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1740,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1734\/revisions\/1740"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1734"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1734"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1734"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}