{"id":58,"date":"2017-12-06T16:14:54","date_gmt":"2017-12-06T15:14:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kleinwolfpeters.com\/blog\/?p=58"},"modified":"2021-01-11T10:51:48","modified_gmt":"2021-01-11T09:51:48","slug":"oh_so_youre_a_translator","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=58","title":{"rendered":"Was machst Du eigentlich genau?"},"content":{"rendered":"<p><em>von Richard Peters, aus dem Englischen von Maria Wolf<\/em><\/p>\n<p><strong>Ach, Du \u00fcbersetzt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich werde oft gefragt, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. In der Kurzfassung lautet die Antwort: \u201eMit \u00dcbersetzung\u201c. Jemand, der mit Fremdsprachen nichts oder kaum etwas zu tun hat, mag mit diesem Wort das Bild eines mittelalterlichen Schreibpults verbinden, hinter dem ein Schreiber, \u00fcber eine Pergamentrolle gebeugt, hin und wieder seine Kappe \u00fcber den buschigen Augenbrauen zurechtr\u00fcckend, eifrig das kostbare Schriftst\u00fcck dupliziert, wobei sich die Worte irgendwo auf dem Weg zwischen seinen Augen und seiner Feder wundersam in eine andere Sprache verwandeln. Weit gefehlt: Ich besitze nicht einmal eine Kappe!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-56 size-full aligncenter\" src=\"https:\/\/www.kleinwolfpeters.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/For-RP-Blog-20171130.jpg\" alt=\"\" width=\"3649\" height=\"2428\" srcset=\"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/For-RP-Blog-20171130.jpg 3649w, https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/For-RP-Blog-20171130-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/For-RP-Blog-20171130-768x511.jpg 768w, https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/For-RP-Blog-20171130-1024x681.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 3649px) 100vw, 3649px\" \/><\/p>\n<p>Die Wahl der Worte in der Zielsprache, die den Gedanken des Ausgangstextes am besten wiedergeben, ist ein aktiver Prozess, der Zeit und Energie erfordert. Ich kann mich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass ich dank meiner \u00f6sterreichischen Mutter und meines britischen Vaters zweisprachig aufgewachsen bin. W\u00e4hrend andere mit einem ausgepr\u00e4gten Ballgef\u00fchl zur Welt kommen und sp\u00e4ter Fu\u00dfballprofis werden, wurde mir das Sprachtalent in die Wiege gelegt. Ich muss mich nicht bewusst mit der Quellsprache auseinandersetzen, sondern kann mich gleich darauf konzentrieren, die englischen Worte und Gedanken abzuw\u00e4gen, die den Inhalt des Quelltextes f\u00fcr den Leser meiner \u00dcbersetzung am authentischsten vermitteln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und was \u00fcbersetzt Du?<\/strong><\/p>\n<p>In der Regel folgt dann gleich die zweite Frage \u2013 vielleicht auch, weil wir am h\u00e4ufigsten \u00fcber Fremdsprachen stolpern, wenn wir wieder ein neues Ger\u00e4t gekauft haben und durch die Anleitung bl\u00e4ttern: \u201eUnd was \u00fcbersetzt Du? Betriebsanleitungen?\u201c, was ich mit einem (zumindest in meinem Kopf) inbr\u00fcnstigen \u201eNein!\u201c beantworte. Mein Fachgebiet ist gl\u00fccklicherweise die Unternehmenskommunikation mit ihrer spannenden Vielfalt. So viele Unternehmen, die so viel Unterschiedliches zu sagen haben und so viele verschiedene Menschen ansprechen!<\/p>\n<p>Jedes Unternehmen ist anders, aber jedes hat vielf\u00e4ltige Informationen an unterschiedliche Zielgruppen \u00fcber viele verschiedene Kan\u00e4le zu kommunizieren: Brosch\u00fcren, Flyer, Web-Inhalte oder Magazine f\u00fcr potenzielle Neukunden; Finanzinformationen, Marktanalysen und Jahresberichte f\u00fcr Investoren; Intranet-Inhalte und Newsletter f\u00fcr die Mitarbeiter. Ein Produktdatenblatt ist etwas anderes als eine Pressemitteilung und wieder etwas anderes als ein Blogbeitrag. Daraus ergibt sich eine Vielzahl von Kombinationen, die jede eines ma\u00dfgeschneiderten Konzepts bedarf.<\/p>\n<p>Das Wissen um die \u201eHaus\u201c-Sprache eines Unternehmens und deren abzudeckende Fremdsprachen reicht nicht aus, um die charakteristische Tonalit\u00e4t zu treffen. Unternehmen investieren enorm viel Gehirnschmalz, um die richtigen Worte f\u00fcr ihre Kommunikationen zu w\u00e4hlen. Die Entscheidung, wie diese Inhalte am besten in der Zielsprache zu formulieren sind, ist nicht weniger anspruchsvoll. Zun\u00e4chst muss der \u00dcbersetzer die Kernaussage verstehen \u2013 wirklich erfassen, was der Autor sagen will und was die Zielgruppe herauslesen soll. Dann muss er die richtigen Worte und Wendungen w\u00e4hlen, die die gew\u00fcnschte Bedeutung so pr\u00e4zise und originaltreu wie m\u00f6glich wiedergeben. Dabei muss er den richtigen Ton treffen und die gleiche Wirkung erzielen wie der Ausgangstext \u2013 ohne dass Fakten verlorengehen. So muss ein Text, der zum Beispiel vom Englischen ins Deutsche \u00fcbersetzt wurde, bei den deutschen Lesern das gleiche Echo hervorrufen wie das Original bei der englischen Leserschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gibt\u2019s daf\u00fcr noch keine App?<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem mein Gegen\u00fcber nun erfahren hat, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene, ernte ich h\u00e4ufig Mitleid: Armer Richard, bald wird er durch Roboter ersetzt! Ich habe hingegen keine Bedenken, dass ich so schnell durch die Automatisierung wegrationalisiert werde. Bei der Unternehmenskommunikation geht es darum, Menschen zu erreichen \u2013 und der beste Weg, um von Menschen gelesen zu werden, ist, von Menschen schreiben zu lassen.<\/p>\n<p>Das soll nicht bedeuten, dass Computer keinen Platz in der Kommunikationsbranche h\u00e4tten \u2013 schlie\u00dflich sitze ich gerade vor einem Rechner und hacke meine Worte in die Tastatur! Es w\u00e4re f\u00fcr mich unvorstellbar, Texte im Auftrag meiner Unternehmenskunden zu verfassen, ohne auf Knopfdruck das gesammelte Wissen der Welt anzapfen zu k\u00f6nnen. Aber ich bin \u00fcberzeugt, dass die schlagendsten Argumente und packendsten Geschichten noch lange auf die sch\u00f6pferische Intelligenz der Menschen angewiesen sein werden. Wenn ich also diese Argumente und Geschichten \u00fcbersetze, nutze ich meine menschliche Kreativit\u00e4t und schreibe eine neue Version, die dem Original Rechnung tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Ich freue mich darauf, in den kommenden Monaten und Jahren mit modernsten Kommunikationsmethoden und neuesten Technologien mit meinen hochtalentierten Kollegen in meiner neuen Firma zusammenzuarbeiten. Und weil ich nicht nur die Gedanken anderer dupliziere, sondern f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung von Unternehmen und Menschen \u00fcber Grenzen hinweg sorge und dadurch einen Beitrag zu einer besseren Welt leiste, beschert mir dies nicht nur einen Lebensunterhalt, sondern vor allem Lebensfreude!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer nicht gerade selbst mehrere Sprachen spricht, hat vielleicht ein falsches Bild davon, was der \u00dcbersetzungsvorgang beinhaltet und wie \u00dcbersetzer \u00fcberhaupt arbeiten. Schlie\u00dflich ist \u00dcbersetzen ja weitaus mehr als nur das Abschreiben eines Textes in einer anderen Sprache!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":56,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[13,22,23,42,20,25,21],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1269,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58\/revisions\/1269"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/56"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}