{"id":709,"date":"2018-11-07T15:34:51","date_gmt":"2018-11-07T14:34:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kleinwolfpeters.com\/blog?p=709"},"modified":"2018-11-07T15:56:30","modified_gmt":"2018-11-07T14:56:30","slug":"englisch-ist-nicht-gleich-englisch-ueber-sprachvarietaeten-und-ihre-einfluesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=709","title":{"rendered":"Englisch ist nicht gleich Englisch \u2013 \u00fcber Sprachvariet\u00e4ten und ihre Einfl\u00fcsse"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Jess Crutchley, \u00fcbersetzt von Julia Harwardt<\/em><\/p>\n<p><strong>Wollen Sie <em>chips<\/em> oder <em>fries<\/em> dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Bei einem Besuch in meiner walisischen Heimat fragte mich k\u00fcrzlich die Kellnerin in einem Restaurant, ob ich lieber <em>chips<\/em> oder <em>fries<\/em> zu meinem Steaksandwich haben m\u00f6chte. Zun\u00e4chst war ich verwundert: <em>Fries<\/em> ist doch einfach nur die amerikanische Bezeichnung f\u00fcr unsere britischen <em>chips<\/em>. Oder nicht? W\u00e4hrend ich noch \u00fcber die Frage gr\u00fcbelte, kam mir wieder eine Reise nach Vietnam in den Sinn, wo wir vor einigen Jahren bei der Buchung unseres Bungalows auf der Insel C\u00e1t B\u00e0 zwischen <em>ocean view<\/em> und <em>sea view<\/em> w\u00e4hlen konnten. Den genauen Unterschied haben wir nie herausgefunden, was angesichts des atemberaubenden Ausblicks auf blauglitzerndes Wasser aber auch unerheblich war &#8230; Aber zur\u00fcck zur eigentlichen Geschichte: Bei Klein Wolf Peters arbeiten wir t\u00e4glich sowohl mit britischem als auch amerikanischem Englisch, sodass mir die Hauptunterschiede zwischen diesen beiden Sprachvariet\u00e4ten wohlbekannt sind.<\/p>\n<p><strong>NOOBs und Amerikanisierung des britischen Englisch<\/strong><\/p>\n<p>Sprache ist ein dynamisches System, was sich auch an der anhaltenden Amerikanisierung der britischen Umgangssprache zeigt. Anstelle von <em>get a coffee<\/em> <em>to take away<\/em> oder <em>get a takeaway<\/em> h\u00f6rt man heute in Gro\u00dfbritannien mittlerweile auch die amerikanischen Pendants <em>get a coffee to go<\/em> bzw. <em>grab take-out<\/em>, ebenso <em>catch a movie<\/em> anstatt <em>go see a film<\/em>. Diese Entwicklung bezeichnet die britische Lexikografin Susi Dent als die \u201egef\u00fcrchteten Auswirkungen der Amerikanisierung\u201c (zur Verdeutlichung ihrer Theorie verwendet sie dabei die amerikanische Schreibweise <em>americanization<\/em> statt der britischen <em>americanisation<\/em>).<\/p>\n<p>Dasselbe l\u00e4sst sich jedoch auch jenseits des Atlantiks beobachten: Der US-amerikanische Schriftsteller Ben Yagoda beispielsweise spricht von einer \u201ealarmierenden Anzahl traditionell britischer Ausdr\u00fccke, die sich dauerhaft in den amerikanischen Wortschatz eingeschlichen haben\u201c.<\/p>\n<p>Eine ausf\u00fchrliche Liste dieser \u201enot one-off Britishisms\u201c (NOOBs) findet sich auf seiner gleichnamigen Website <a href=\"https:\/\/notoneoffbritishisms.com\/\">https:\/\/notoneoffbritishisms.com\/<\/a>, darunter <em>ginger<\/em> f\u00fcr rothaarige Menschen oder <em>baby bump<\/em> f\u00fcr einen un\u00fcbersehbaren Babybauch. Beide Begriffe k\u00f6nnten durch Texte britischen Ursprungs \u00fcbertragen worden sein, die auch in den USA weit verbreitet sind \u00ad\u2013 denken Sie an Harry Potter oder die britische Boulevardpresse. Aus Kundentexten, die ich j\u00fcngst \u00fcbersetzt habe, k\u00f6nnte ich noch <em>bespoke<\/em> (f\u00fcr <em>tailored<\/em>) zur Liste hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Ob wir dies nun f\u00fcrchterlich, alarmierend oder halb so wild finden: Die transatlantische \u201eFremdbest\u00e4ubung\u201c des Englischen ist Fakt und resultiert wahrscheinlich aus der zunehmenden Globalisierung und dem Vormarsch internationaler Medien. Auch wenn sich dieser Blog um US-amerikanisches vs. britisches Englisch dreht, gilt das Gesagte in unterschiedlichem Ausma\u00df f\u00fcr alle weltweit bekannten Variet\u00e4ten des Englischen. Ich finde es faszinierend, wie sich eine Sprache in verschiedenen geografischen Gegenden entwickeln kann. Doch zur\u00fcck nach Wales \u2026<\/p>\n<p><strong>Same same but different<\/strong><\/p>\n<p>(Diese Redewendung kommt urspr\u00fcnglich \u00fcbrigens weder aus Gro\u00dfbritannien noch den USA, sondern aus S\u00fcdostasien, aber das nur nebenbei \u2026) Im sprachaffinen Teil meines Gehirns fiel nun endlich der Groschen: Verglichen mit unseren dicken britischen <em>chips <\/em>sind die<em> fries <\/em>der Amerikaner viel d\u00fcnner, und in besagtem Restaurant gab es schlicht beides. Und hier komme ich nun zum Punkt: In Sprachfragen kann der erste Eindruck tr\u00fcgen. Sogar bei vermeintlich bedeutungsgleichen W\u00f6rtern gibt es mitunter subtile Unterschiede, wie unser Beispiel mit <em>chips<\/em> und <em>fries<\/em> zeigt.<\/p>\n<p>Ob bei der einsprachigen Textarbeit oder der \u00dcbersetzung in eine andere Sprache: Als Sprachexperten f\u00fcr Unternehmenskommunikation achten wir stets auf sprachliche Feinheiten und nutzen unser Wissen und unser Bewusstsein f\u00fcr die kulturellen Unterschiede, um Inhalte so aufzubereiten, dass ihre Botschaften die gew\u00fcnschte Zielgruppe erreichen.<\/p>\n<p>Und so werden meine Kollegen und ich fr\u00f6hlich jeden Tag weiterdiskutieren: dar\u00fcber, ob es nun <em>Britishism<\/em> oder <em>Briticism<\/em> und <em>Americanization<\/em> oder <em>Americanisation<\/em> hei\u00dft, welche kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen britischem und amerikanischem Englisch existieren und welche kulturellen und linguistischen Aspekte bei der \u00dcbersetzung zwischen Englisch und Deutsch wichtig sind. Wir lieben es!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprache ist ein dynamisches System voll feinster  Nuancen, die sich oft erst auf den zweiten Blick erschlie\u00dfen. \u00dcber Variet\u00e4ten des Englischen und warum das Wissen \u00fcber kulturelle und sprachliche Unterschiede in der Unternehmenskommunikation unabdingbar ist.<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":711,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[244,243,240,245,241,242,42],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/709"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=709"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/709\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":725,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/709\/revisions\/725"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/711"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=709"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=709"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=709"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}