{"id":780,"date":"2019-01-14T16:32:56","date_gmt":"2019-01-14T15:32:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com?p=780"},"modified":"2021-01-11T10:30:55","modified_gmt":"2021-01-11T09:30:55","slug":"die-kunst-der-sinnsuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/?p=780","title":{"rendered":"Die Kunst der Sinnsuche"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Von Colin Rae, aus dem Englischen von Julia Harwardt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Star Wars<\/em> \u00adist nicht nur ein Meilenstein der Filmgeschichte, sondern auch einer der Filme, den meine Schwester und ich in unserer Kindheit \u2013 wie so viele unserer Generation \u2013 wieder und immer wieder angesehen haben. Als ich den Film sp\u00e4ter mit den Augen und Ohren eines Erwachsenen nochmal anschaute, fiel mir auf, wie viele Dialoge mir als Kind entgangen waren, weil ich sie schlicht nicht verstand. Ich erinnere mich aber, dass wir die Laute in unseren K\u00f6pfen so lange zurechtdrehten, bis sie eine uns sinnvoll erscheinende Bedeutung erlangten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugegebenerma\u00dfen laufen die mitunter recht sperrigen Dialoge h\u00e4ufig in einem hohen Tempo ab, und die Ger\u00e4uschkulisse tut ihr \u00dcbriges. Bereits bei den Dreharbeiten beschwerte sich Harrison Ford, als er wieder einmal an einem holprigen Text scheiterte, bei George Lucas: \u201eVerdammt, George, so etwas kann man schreiben, aber das kann doch kein Mensch aussprechen.\u201c Da gibt es zum Beispiel diese eine Szene, in der der Millennium Falke von feindlichen Truppen verfolgt wird und Luke Skywalker zu Han Solo sagt: \u201eWhy don\u2019t you outrun them, I thought you said this thing was fast.\u201c (\u201eWarum h\u00e4ngst du sie nicht ab, ich dachte, die Kiste sei so schnell?!?\u201c) Meine Schwester und ich h\u00f6rten den ersten Teil als \u201eWaidorntschatrunnum\u201c, und da wir nicht wussten, was das bedeuten soll, beschlossen wir, dass das wohl ein Begriff ist, mit dem man im Star-Wars-Universum seine Unzufriedenheit oder \u00dcberraschung zum Ausdruck bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderes Beispiel aus dem Film ist der Befehl \u201eLock X-foils in attack positions\u201c, mit dem die Piloten der X-Wing-Starfighter vor Verfolgungsjagden angewiesen werden, ihre Fl\u00fcgel in Angriffsposition zu bringen. Ich h\u00f6rte jedoch \u201eLuck as falls in attack positions\u201d (etwa: \u201eM\u00f6ge das Gl\u00fcck in Angriffsposition mit euch sein\u201c) und dachte, dass der Geschwaderf\u00fchrer seinen Mannen damit Gl\u00fcck f\u00fcr den Kampf w\u00fcnschen wollte. Wieder einmal hatte mein Gehirn das Geh\u00f6rte so lange zurechtgedreht, bis ich mir irgendwie einen Reim darauf machen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Gehirn: der gro\u00dfe Taschenspieler<\/p>\n\n\n\n<p>Weil unser Gehirn st\u00e4ndig derartige Pirouetten vollf\u00fchrt, ist es\ngerade beim Korrekturlesen manchmal schwer, Schreibfehler nicht zu \u00fcbersehen. Seit\neinigen Jahren greift auch die Werbebranche auf dieses Ph\u00e4nomen zur\u00fcck, zu\nsehen beispielsweise am Schriftzug FCUK des britischen Modelabels French\nConnection. Zudem ist mittlerweile bekannt, dass wir selbst l\u00e4ngere Texte auch\ndann verstehen, wenn die Buchstaben vertauscht wurden. Vielleicht erinnern Sie\nsich in diesem Zusammenhang ja noch an folgendes Mem, das vor einigen Jahren\ndie Runde machte:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Luat enier\nsidtue an eienr elgnhcsien uvrsn\u00e4iett, ist es eagl in wcheler rhnfgeeloie die\nbstuchbaen in eniem wrot snid. das eniizg whictgie ist, dsas der etrse und der lztete\nbstuchbae am rtigeichn paltz snid.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die <a href=\"https:\/\/knowyourmeme.com\/memes\/aoccdrnig-to-rscheearch\">Quelle dieser Erkenntnis fraglich <\/a>ist, \u00e4ndert sich nichts an der Richtigkeit der Kernaussage: Die Reihenfolge der Buchstaben entscheidet nicht zwangsl\u00e4ufig dar\u00fcber, ob wir einen Text lesen und verstehen k\u00f6nnen oder nicht \u2013 obwohl ein Forscher der Universit\u00e4t Cambridge in <a href=\"http:\/\/]https:\/\/www.mrc-cbu.cam.ac.uk\/people\/matt.davis\/cmabridge\/\">seinem Artikel<\/a> darauf verweist, dass eine ver\u00e4nderte Reihenfolge durchaus den Lesefluss beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Stellen Sie sich nun also vor, Ihnen liegt ein Dokument mit 200\nSeiten zur Korrektur vor: Wie verhindern Sie, dass Ihr Gehirn leichtfertig \u00fcber\nFehler hinwegliest? Eine Kollegin von mir entdeckte k\u00fcrzlich folgenden Tipp: <em>Je vertrauter uns ein Text ist, desto\nleichter \u00fcberfliegen wir ganze Textpassagen und \u00fcbersehen Tipp- und\nGrammatikfehler. Wenn man jedoch eine ungewohnte Schriftart oder -gr\u00f6\u00dfe w\u00e4hlt, ist\nman gezwungen, jedes Wort und jeden Buchstaben sorgf\u00e4ltig zu lesen.<\/em> Eine\nandere M\u00f6glichkeit ist es, den Text laut vorzulesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Korrektur einer PowerPoint-Pr\u00e4sentation m\u00f6chte ich mir aber\nnicht mit verschiedenen Schriftarten und -gr\u00f6\u00dfen das Layout ruinieren, und den\nText laut vorzulesen, w\u00e4re gegen\u00fcber meinen Kollegen im B\u00fcro nicht eben\nr\u00fccksichtsvoll. Daher bleibt mir nur, den Text in Ruhe zu \u00fcberarbeiten,\nregelm\u00e4\u00dfig eine Pause einzulegen und einen Kollegen nochmals gegenlesen zu\nlassen \u2013 was wir bei Klein Wolf Peters ohnehin standardm\u00e4\u00dfig tun. Ich pers\u00f6nlich\nmag diese fast schon fanatische Suche nach kleinsten Fehlern, denn wenn ich\nwei\u00df, dass jeder Buchstabe und jedes Satzzeichen sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft wurden,\nkann ich das Ergebnis beruhigt an den Kunden liefern.<\/p>\n\n\n\n<p>Hbean acuh Sie eninen Tpip f\u00fcr die prefktee Kroretkur?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, alles, was wir wahrnehmen \u2013 also auch was wir lesen \u2013, sinnvoll zu interpretieren. Beim Korrekturlesen f\u00fchrt aber gerade das dazu, dass wir Fehler \u00fcbersehen. Doch unser Gehirn l\u00e4sst sich austricksen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":772,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[271,274,218,272,269,273],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/780"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=780"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/780\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":787,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/780\/revisions\/787"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/772"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kleinwolfpeters.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}