Korrekt ist nicht gleich richtig

Posted Oktober 30, 2026

Englisch

Von Maria Wolf

Im Krisenfall hat das Kommunikationsteam des Unternehmens alle Hände voll zu tun: die richtigen Ansprechpartner identifizieren, Fakten sammeln, Kernbotschaften abstimmen, Meldungen vorbereiten und veröffentlichen, bevor sich Gerüchte verselbstständigen – für Wortklaubereien ist keine Zeit. Jeder im Raum weiß, dass die Öffentlichkeit nicht darauf warten wird, bis sich das Unternehmen mit einem feingeschliffenen Lagebericht an sie wendet. Und doch sollten die Aussagen keinen Spielraum für Missverständnisse und Fehlinterpretationen lassen.

Geschieht der Krisenauslöser im Ausland, verbreitet sich die Nachricht möglicherweise wie ein Lauffeuer in einer Sprache, die das zentrale Kommunikationsteam nicht beherrscht. Gegebenenfalls müssen Falschmeldungen korrigiert, Nuancen kanalisiert und irreführende Formulierungen richtiggestellt werden.

Gerade in solchen Situationen müssen die Übersetzungen sitzen. „Man versteht, was gemeint ist“ reicht zur Krisenbewältigung eben nicht. Geschwindigkeit ist entscheidend, aber ebenso die Tonalität – und das kulturelle Gespür dafür, wann eine Formulierung in der einen Sprache vertrauenswürdig und beruhigend, in der anderen Sprache wie ein Eiertanz wirkt.

Die Krisenkommunikation stellt zwei Anforderungen an die Übersetzung, die auf den ersten Blick schwer miteinander vereinbar scheinen: Dringlichkeit und Abwägung. Wer hier das richtige Maß verfehlt, kann durch einen sprachlichen Fehlgriff einen Reputationsschaden verursachen.

Kein Zweifel: maschinelle oder generative KI-Übersetzungen sind heutzutage in Sekundenschnelle verfügbar. Kommunizieren Sie nur in einer Sprache, werden die lokale Presse, Aufsichtsbehörden oder sogar Ihre eigene Belegschaft im betroffenen Markt Ihre Stellungnahme umgehend in kostenlose Online-Übersetzungsmaschinen einspeisen und damit Fakten schaffen – ohne abgestimmte Terminologie, ohne Rücksicht auf die Stimme Ihrer Marke und ohne Instanz, die für das Ergebnis Verantwortung übernimmt. Die entscheidende Frage ist, ob Sie bei diesem Vorgehen das Ergebnis zur Prüfung und Freigabe vorgelegt bekommen oder es sich ungeprüft verbreiten darf.

Wie aber lässt sich das Übersetzungsproblem lösen, „wenn die Hütte brennt“?

Maschinelle Übersetzung – schnell, aber ohne Gespür

Wenn Zeit eine so bedeutende Rolle spielt, kommt maschinelle Übersetzung da nicht wie gerufen? Tatsächlich haben sich die neuesten maschinellen Übersetzungssysteme, insbesondere generative KI-Systeme, in puncto Sprachfluss so stark verbessert, dass fehlerhafte Ergebnisse schwer auf Anhieb zu erkennen sind.

Doch genau hier liegt der Haken: Selbst die fortschrittlichste Maschine erspürt nicht, was Sprache auslöst. Sie kann einen Satz „korrekt“ wiedergeben und dennoch eine völlig falsche Botschaft vermitteln. Die Übersetzung kann beispielsweise einen Begriff verwenden, der zwar rechtlich zutreffend, emotional aber völlig unpassend ist.

In einer Krise kann genau diese Diskrepanz zwischen „korrekt“ und „passend“ rufschädigend wirken.

Spezialisierte Sprachdienstleister – schnell und verantwortungsbewusst

Ein Sprachdienstleister beschäftigt Menschen – Fachleute, die mitdenken, den Ausgangstext hinterfragen und den Kontext recherchieren, bevor sie Aussagen in andere Sprachen übertragen. Sie setzen alle verfügbaren Hilfsmittel ein, um selbst unter Zeitdruck exzellente Qualität zu liefern. Vor allem aber können sie unterscheiden, welche Wortwahl oder Formulierung im Zweifelsfall angebracht ist und was sie bewirkt.

Ein Beispiel: Für die deutsche Formulierung „Wir bedauern den Vorfall“ gibt es ein Dutzend englischer Entsprechungen – und eine davon kann wie ein Schuldeingeständnis wirken. Eine Maschine wählt die statistisch wahrscheinlichste Variante; sprachlich versierte Fachleute erkennen den Unterschied und fragen sich, welche Formulierung Ihre Rechtsabteilung bevorzugen würde.

Auch für Übersetzungen braucht es krisenfeste Partnerschaften

Wenn es schnell gehen muss, ist es gut, einen Partner an Ihrer Seite zu haben, der Ihre Stimme und Ihre Terminologie bereits kennt und sich nicht erst während der Krise damit vertraut machen muss. Ihre Glossare und frühere Übersetzungen werden in den Arbeitsablauf eingebunden, sodass das Übersetzerteam die Geschwindigkeit maschinell unterstützter Übersetzung nutzen, zugleich aber ihre Risiken mindern kann. Gibt es mehrere Freigabeschleifen, werden Ihre in früheren Entwürfen bereits abgestimmten Präferenzen automatisch berücksichtigt, sodass die Endversion schneller geprüft und freigegeben werden kann. Hinzu kommt ein nachvollziehbarer Prüfpfad: Menschen können genau erläutern, warum gegebenenfalls nicht eine 1:1-Übersetzung, sondern eine bestimmte Formulierung gewählt wurde. So entsteht ein ausgereifter Text, der auch einer rechtlichen Prüfung standhält.

Fazit

Wenn eine Krise den Ruf Ihres Unternehmens zu beschädigen droht, sollten Sie mit einem verlässlichen Sprachpartner zusammenarbeiten, der die Nuancen Ihrer Marke beherrscht und dem Zeitdruck der Krise gewachsen ist.

Der wichtigste Schritt dazu setzt weit im Vorfeld an: Ziehen Sie sich den geeigneten Partner heran, bevor ein Krisenereignis eintritt. Wenn freigegebene Glossare, Styleguides und erprobte Workflows längst etabliert sind, können Sie sich darauf verlassen, dass Ihr Übersetzerteam auch an einem Samstagmorgen um sechs Uhr den richtigen Ton trifft – und haben im Krisenfall schon eine Sorge weniger.

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