Lustig, lustig, trallalala: Wer feiert wie?

Posted Dezember 6, 2019

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Von Kristin Fehlauer, aus dem Englischen von Julia Harwardt

Freitag, 6. Dezember: Gestern Abend stellten wieder Tausende Kinder in Deutschland ihre Schuhe und Stiefel vor die Türe in der Hoffnung, dass der Nikolaus sie mit Süßigkeiten und anderen Kleinigkeiten füllt. (Einen Blick von außen auf diese Tradition finden Sie hier.)

Als erwachsene Frau in den Vierzigern probiere ich es gar nicht erst und lasse meine Schuhe drinnen. Aber Nikolaus gab mir den Anstoß, um über die unterschiedlichen Feste und Bräuche nachzudenken, die diese Jahreszeit in den USA und Deutschland prägen.

Während meiner Kindheit und Jugend im US-amerikanischen Mittelatlantikstaat New Jersey sah die zweite Jahreshälfte ungefähr so aus:

Im September beginnt das neue Schuljahr.

Allmählich wird es wieder früher dunkel und die Temperaturen sinken.

Zu Halloween am 31. Oktober ist es meist schon so kalt, dass man bei der Jagd nach Süßem (oder beim Streichespielen) schon eine dicke Jacke tragen muss ­­– was den Effekt des Kostüms deutlich verwässert.

Ende November steht Thanksgiving auf dem Programm. Die Menschen freuen sich auf ein langes Wochenende, College-Studenten fahren nach Hause zu ihren Familien, und so langsam rückt Weihnachten auch gedanklich näher.

Im Dezember geht dann der Weihnachtstrubel so richtig los. Für mich bedeutet das: einen Baum fällen (oder, wie wir es einmal gemacht haben, einen Baum mit Wurzelballen kaufen und später wieder einpflanzen) und mit Lichtern, Weihnachtsschmuck und Lametta schmücken, Weihnachtsmusik hören, Plätzchen backen, Geschenke kaufen und einpacken, traditionelle Weihnachtsfilme im Fernsehen anschauen und am Weihnachtsabend nach dem Kirchgang mit dem Auto durch die Nachbarschaft fahren und die vielen Lichter und Dekorationen an den Häusern bewundern.

 

In meiner neuen Heimat München verläuft die zweite Jahreshälfte etwas anders:

Ende August/Anfang September schließen die öffentlichen Freibäder.

Als nächstes kommt natürlich das Oktoberfest, wobei ich jedoch versuche, der Stadt zu dieser Zeit zu entfliehen. 😉

Im Oktober drängt sich mit jedem Sonnentag die Frage auf, ob dies wohl die letzte Chance in diesem Jahr ist, in den Biergarten zu gehen.

Langsam wird es morgens später hell und abends früher dunkel ­– der Tag wird quasi von beiden Seiten in die Zange genommen.

Auch Halloween wird hier in Deutschland (immer mehr) gefeiert, ist aber lange nicht übermäßig verbreitet.

Restaurants setzen Wildgerichte auf die Karte und bieten mitunter ein spezielles Menü für den Martinstag am 11. November an. (Die Expat-Gemeinde liefert hier eine recht amüsante Außenperspektive.)

Um den Martinstag herum finden allerorts Laternenumzüge für Kinder statt.

Ende November öffnen die ersten Weihnachtsmärkte ihre Pforten.

Als Nächstes folgt Nikolaus. Da bekommen manchmal zwar auch Erwachsene einen Schokoladennikolaus vom Chef oder den Nachbarn geschenkt, aber generell ist der 6. Dezember ein Fest für die Kinder.

Danach geht es mit Weihnachtsfeiern, Glühwein und Lebkuchen bis zum 24. Dezember weiter. Ich bin dann meist jedoch schon lange weg, um Weihnachten und Neujahr mit meiner Familie in den USA zu feiern.

 

Als Amerikanerin war ich es gewohnt, dass die Herbst- und Wintermonate (bis auf September) immer mit einem kleineren oder größeren Fest enden: Halloween im Oktober, Thanksgiving im November, Weihnachten im Dezember. Das schafft eine schöne Struktur, obwohl natürlich jedes Jahr beklagt wird, dass Geschäfte immer früher die typischen Weihnachtsartikel anbieten und den Start des „Weihnachtswahnsinns“ immer mehr vorverlegen. In Deutschland fehlt dieser klare Rhythmus zwar, aber mir gefällt der Ablauf trotzdem. Denn auch wenn es sich nach zwölf Jahren immer noch neu und ungewohnt anfühlt, kann man mangels anderer großer Festivitäten vor Dezemberbeginn guten Gewissens auch schon im November Weihnachtsstimmung aufkommen lassen.

Und was sind Ihre Fixpunkte in der Weihnachtszeit?

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